Das Wasser fällt wie ein Vorhang aus weißer Seide direkt auf den schwarzen Felsen, und das Geräusch, das es erzeugt, ist etwas Physisches: man hört es nicht nur mit den Ohren, sondern spürt es in der Brust, in den Knochen, in den Sohlen der nassen Füße. Kanto Lampo ist ein Vorhangfall — diese Kategorie von Wasserfällen, bei denen das Wasser flach an einer fast vertikalen Felswand hinuntergleitet und einen flüssigen Bildschirm schafft, hinter dem man hindurchgehen kann. Nicht viele Wasserfälle auf der Welt bieten diese Möglichkeit so zugänglich, und dieser, versteckt im Dschungel von Kecamatan Gianyar, etwa dreißig Minuten mit dem Roller von Ubud entfernt, ist eines der unmittelbarsten und greifbarsten Erlebnisse, die Bali zu bieten hat.
Der Weg dorthin ist kurz, aber aussagekräftig: man verlässt die Hauptstraße, geht eine steinerne Treppe hinunter, die von farnartigen Pflanzen gesäumt ist, die so hoch sind wie ein Erwachsener, und die Wände der kleinen Schlucht schließen sich allmählich um den Besucher. Die Felsen sind mit dunkelgrünem Moos bedeckt, das im Schatten der tropischen Vegetation fast fluoreszierend wirkt. Die Luft wird um mindestens vier oder fünf Grad kühler im Vergleich zur Ebene, und die Feuchtigkeit legt sich wie eine zweite, hauchdünne Jacke auf die Haut. Noch bevor man den Wasserfall sieht, hört man ihn: ein stetiges, dumpfes Geräusch, das mit jedem Schritt lauter wird.
Hinter dem Wasserfall
Das Merkmal, das Kanto Lampo einzigartig im Panorama der balinesischen Wasserfälle macht, ist die konkrete Möglichkeit, sich hinter dem Wasserfluss zu positionieren. Der Felsen, auf den der Wasserfall fällt, bildet eine kleine Vertiefung, einen Raum von wenigen Metern, in dem man mit den Füßen im flachen Wasser stehen und nach außen durch den flüssigen Vorhang schauen kann. Die Sicht ist verzerrt, flimmernd, wie die Welt durch ein Glas in perpetueller Bewegung zu betrachten. Der Nebel, der durch den Aufprall des Wassers auf den darunterliegenden Felsen entsteht, umhüllt alles, und selbst wenn man einen Meter vom Wasserfall entfernt steht, ist man innerhalb weniger Sekunden völlig durchnässt.
Die Höhe des Wasserfalls ist bescheiden — geschätzt auf etwa fünf oder sechs Meter — aber die Kraft des Flusses variiert erheblich mit den Jahreszeiten. Während der Regenzeit, zwischen November und März, erhöht sich das Wasservolumen erheblich und der Lärm wird ohrenbetäubend. In den trockenen Monaten, zwischen Juni und September, wird der Wasserfall dünner und fotogener, wobei die Sonne zu bestimmten Zeiten am Morgen in die Schlucht eindringen kann und kleine Regenbögen im Nebel erzeugt. In beiden Fällen ist das Erlebnis authentisch und körperlich mitreißend.
Der Dschungel, der ihn umgibt
Der natürliche Kontext von Kanto Lampo ist ein wesentlicher Bestandteil des Erlebnisses. Die Wände der kleinen Schlucht sind buchstäblich mit Vegetation tapeziert: Baumfarnen, Moosen, Kletterpflanzen, die von oben wie grüne Seile herabfallen. Das feuchte Ökosystem, das sich um den Wasserfall bildet, begünstigt eine Biodiversität, die auch für das ungeübte Auge sichtbar ist. Es ist üblich, kleine Eidechsen auf den Felsen zu beobachten, Insekten zu sehen, die im Nebel fliegen, und den Ruf von Vögeln zu hören, die im dichten Grün über dem Kopf verborgen sind.
Das Licht, das durch die Baumkronen filtert, ändert sich ständig, selbst im Laufe weniger Minuten. Die Schlucht ist eng genug, um das natürliche Licht zu einem variablen und unvorhersehbaren Element zu machen: manchmal ist man fast im völligen Schatten, dann durchbricht ein Sonnenstrahl die Vegetation und beleuchtet den Wasserfall auf dramatische Weise. Für Fotografen bedeutet dies, dass jeder Besuch unterschiedliche Bilder produziert und dass Geduld belohnt wird.
Praktische Informationen für den Besuch
Der Eintritt zu Kanto Lampo erfordert einen kleinen Beitrag, der in der Regel im Bereich von einigen Zehntausend indonesischen Rupiah liegt — ein symbolischer Betrag, der direkt der lokalen Verwaltung des Standorts zugutekommt. Der bequemste Weg dorthin ist, einen Roller in Ubud zu mieten, was etwa dreißig Minuten dauert und über Nebenstraßen durch Reisfelder und kleine Dörfer führt. Alternativ beinhalten viele private Fahrdienste in Ubud Kanto Lampo in kombinierten Routen mit anderen Sehenswürdigkeiten in der Region Gianyar.
Der nützlichste Rat ist, bis spätestens acht Uhr dreißig am Morgen anzukommen. Nach zehn Uhr, besonders an Wochenenden, füllt sich der Ort mit Besuchern und die kleine Schlucht, die nicht groß ist, wird überfüllt. Wenn man früh ankommt, hat man den Wasserfall fast für sich allein, das Licht ist weicher und die Temperatur ist noch kühl. Es ist unerlässlich, rutschfeste Schuhe oder Wandersandalen zu tragen: Die Steine sind ständig nass und rutschig. Ein Wechsel von Kleidung mitzunehmen ist fast obligatorisch, wenn man beabsichtigt, hinter dem Wasserfall zu stehen, da der Nebel und die Spritzer es unmöglich machen, trocken zu bleiben.
Wie man es in eine Reiseroute einfügt
Kanto Lampo kann in etwa einer Stunde besucht werden, einschließlich des Abstiegs und Aufstiegs der Treppe. Seine Lage in der Region Gianyar macht es leicht, mit anderen Orten in der Umgebung kombiniert zu werden: Die Reisfelder von Tegalalang befinden sich in kurzer Entfernung nach Norden, während man nach Osten den Tempel von Tirta Gangga erreichen kann. Für diejenigen, die mehrere Tage in Ubud sind, stellt ein Morgen, der Kanto Lampo gewidmet ist, gefolgt von einem Besuch in einem der lokalen Warungs zum Mittagessen, einen ausgewogenen Tag zwischen Natur und der täglichen balinesischen Kultur dar.