Das Wasser hier hat einen türkisfarbenen Farbton, der fast künstlich wirkt, und doch ist es völlig real. Ishigaki, die Hauptinsel des Yaeyama-Archipels, liegt etwa 2.000 Kilometer südwestlich von Tokio, geografisch näher an Taiwan als an der japanischen Hauptstadt. Diese Distanz ist nicht nur geografisch: Die Insel lebt nach Rhythmen und Atmosphären, die zu einem parallelen Japan zu gehören scheinen, wo die Zeit langsamer vergeht und das Meer die Regeln des Tages bestimmt.
Mit einer Fläche von etwa 222 Quadratkilometern und einer Bevölkerung von etwas mehr als 50.000 Einwohnern ist Ishigaki das Tor zu den Yaeyama-Inseln. Von hier aus erreicht man mit der Fähre unbewohnte oder fast verlassene Inseln wie Taketomi, Iriomote und Kohama. Aber auch Ishigaki selbst verdient Aufmerksamkeit: Es beherbergt einige der am besten erhaltenen Korallenriffe Japans, befahrbare Mangrovenwälder und Gewässer, in denen sich Manta-Rochen fast vorhersehbar versammeln.
Die Unterwasserwelt der Kabira-Bucht und die Manta-Sites
Die Kabira-Bucht, im nördlichen Teil der Insel, ist eines der bekanntesten Szenarien von Ishigaki. Die flachen Gewässer und die Anwesenheit von bewachsenen Inselchen machen sie visuell außergewöhnlich. Es ist wichtig zu wissen, dass das Baden in der Bucht verboten ist, um die lokalen Perlenkulturen zu schützen — die schwarzen Perlen von Kabira sind eine authentische Handwerksproduktion der Insel — aber es ist möglich, den Meeresboden von Booten mit transparentem Boden aus zu bewundern.
Für diejenigen, die tauchen möchten, ist die bekannteste Tauchstelle der Insel Manta Scramble, im Kanal zwischen Ishigaki und der Manta Way-Insel, im Gebiet von Kabira. Dieser Tauchplatz ist berühmt für die Sichtungen von riesigen Manta-Rochen (Mobula birostris), insbesondere zwischen Mai und Oktober. Die Mantas versammeln sich hier, um sich von dem Plankton zu ernähren, das von den Strömungen transportiert wird. Lokale Tauchagenturen organisieren tägliche Ausflüge mit zertifizierten Instruktoren; auch Anfänger können mit einem Guide teilnehmen.
Die Mangroven des Miyara-Flusses
Das Innere der Insel bietet ein völlig anderes Ökosystem. Der Miyara-Fluss ist einer der wenigen Wasserläufe in Japan, die von Mangrovenwäldern gesäumt sind und mit dem Kajak befahren werden können. Geführte Touren dauern in der Regel zwei Stunden und ermöglichen es, zwischen den verwobenen Wurzeln der Mangroven zu paddeln, während man Fiddler-Krebse, Reiher und mit etwas Glück Meeresschildkröten beobachten kann, die den Fluss hinauf schwimmen.
Die Vegetation ist dicht und still, unterbrochen nur vom Geräusch der Paddel und dem Gesang der Vögel. Es ist ein Erlebnis, das einen starken Kontrast zum Strandbild der Insel bietet und die Vorstellung vermittelt, wie ökologisch reich Ishigaki ist. Die lokalen Führer erklären während der Tour die Funktionsweise des Mangroven-Ökosystems, was die Exkursion nicht nur visuell unvergesslich, sondern auch lehrreich macht.
Das Zentrum von Ishigaki und die Ryukyu-Kultur
Die Hauptstadt, einfach Ishigaki City genannt, hat ein kompaktes Zentrum mit lokalen Märkten, Restaurants und Izakayas, in denen typische Spezialitäten serviert werden. Die Soki Soba — Nudeln mit geschmortem Schweinerippchen — ist das verbreitetste Gericht und spiegelt den Einfluss der Ryukyu-Küche wider, die sich von der kontinentalen japanischen Küche unterscheidet. Der Tofu von Ishigaki, der kompakter und geschmackvoller ist als der Standardtofu, ist ein weiteres lokales Produkt, das man suchen sollte.
Der Tempel Tōrin-ji, gegründet im Jahr 1614, ist einer der ältesten im Yaeyama-Archipel und wird von zwei Nio-Statuen bewacht — Tempelwächtern — die ein seltenes Beispiel religiöser Skulptur in diesem Teil Japans darstellen. Der Tempel kann frei besucht werden und befindet sich nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt.
Wie man ankommt und wann man gehen sollte
Ishigaki ist mit dem Flugzeug von Tokio (ca. 3 Stunden und 30 Minuten), Osaka und Naha, der Hauptstadt von Okinawa, erreichbar. Der Internationale Flughafen Ishigaki, der 2013 eröffnet wurde, hat die Verbindungen zugänglicher gemacht. Es gibt keine direkte Fährverbindung vom japanischen Festland in angemessener Zeit, daher ist das Flugzeug die einzige praktische Option.
Die beste Zeit, um die Insel zu besuchen, ist zwischen April und Juni: Das Meer ist bereits warm, die Regenfälle der Monsunzeit sind noch nicht auf ihrem Höhepunkt und die Mantas sind aktiv. Von Juli bis September ist die Hitze intensiv und Taifune sind eine reale Möglichkeit — einige Wochen können durch widrige Wetterbedingungen beeinträchtigt werden. Der Winter ist im Vergleich zum Rest Japans mild, mit Temperaturen, die selten unter 15 Grad fallen, aber das Meer kann unruhig sein. Ein Fahrrad oder einen Roller zu mieten, ist die effektivste Möglichkeit, die Insel unabhängig zu erkunden.